Dienstag, 5. April 2011

Mazungo in Mtwapa...

Das Packen, das Vergessen meiner Winterjacke und das Auschecken aus den Nyali Chalets geht schnell und reibungslos und um 10 Uhr morgens steht Mazungo mit seinen 18 kg Gepäck an der Hauptverkehrsstrasse nach Malindi und wartet auf ein Matatu.
Es ist Sonntag, Ruhetag der Christen und auf der Mombasa-Malindi Strecke ist wenig Verkehr.

Endlich hält ein alter Nissan Hiaje, dieses Mal fahre ich mit den Moslems, stelle mich mit meinen zweiTaschen ziemlich deppenhaft an bis ich mich endlich hineingequetscht bekomme, der Conductor hilft mir und da ich nicht genug Platz für mein Gepäck habe landet meine Reisetasche auf den Knien eines anderen Passagiers eine Reihe vor mir. Der arme Mann verzieht keine Miene.

Ich sitze neben zwei vollverschleierten Frauen ganz in Schwarz, zahle 40 Schilling Fahrgeld, der Conductor will mir einen 10er zurückgeben, was ich dankend mit Hinweis aufs Gepäck ablehne.
Irgendwann halten wir neben einem grossen Gebäude, es ist ein Gefängnis, die Besuchszeiten stehen gross in roter Schrift ausgeschrieben. Hoffentlich werde ich hier nie Insasse werden, werde mich aber bei Gelegenheit informieren ob vielleicht Weisse hier einsitzen und sich auf Besuch und Mitbringsel freuen würden.
Die Hälfte der Passagiere steigt aus, es ist Besuchstag heute.

Wir düsen weiter, der Fahrtwind kühlt nun angenehm und keine 20 Minuten später bin ich in Mtwapa, nehme mir ein Motorradtaxi zum Destiny Hotel, welches ich in dem vorhergehendem Posting fälschlicherweise mit "Dusit Inn" betitelt habe.
Man möge mir Dusel verzeihen, das Alter und die Hitze sind schuld.

Der Taxifahrer will 50 Schilling, was ich wegen "Gepäck" und "weil Sonntag ist" akzeptiere und kurze Zeit später habe ich im Destiny eingecheckt, den Übernachtungspreis von 1000 Schilling bezahlt und mich in meinem Eckzimmer welches in der letzten Etage liegt, eingerichtet.

Das Doppelbett hat ein Moskitonetz, durch die geöfffneten Fenster weht eine Brise und es gibt einen kleine Balkon.
Oben an der Rooftopbar sitzen ein halbes Dutzend männliche Ausflügler aus Nairobi die sich ziemlich machohaft benehmen, Tusker drinken, ein Rugbyspiel auf dem Fernseher verfolgen und mich keines Blickes würdigen.
Leider ist der Prediger im Nachbargebäude, der eindringlich mittels Mikrofon seine Sünder ins Gebet nimmt eindeutig lauter als der Fernseher, er hat den besseren Verstärker und so schauen wir Rugby während Gott angepriesen wird. Kenia verliert aber trotzdem.

Ich sitze vor meinem Notebook, versuche den Fernseher und das immer hysterischere werdende Geschrei des durchgedrehten Predigers zu ignorieren um vernünftige Sätze zusammenstellen zu können.
Anny (Name geändert-die Red.) ruft an und fragt mich ob ich gut angekommen sei, ich verstehe sie kaum, weil auch bei ihr im Hintergrund geschrien wird und auch bei ihr ist es ein herumschreiender Gottlobender.

Ich warte wieder mal Ewigkeiten auf ein Essen, Beefsteak war bestellt, gibts aber nicht. Wir wechseln zu Chicken, gibts auch nicht, aber etwas, welches der Kellner, der Tom heisst, als "almost like a chicken" bezeichnet, ist unterwegs.

Irgendwann kommt er an, mitsamt Krug und Plastikschüssel.
Mit dem Krug in seiner Rechten schüttet er mir heisses Wasser über die Hände, mit der Linken fängt er das Wasser mit der Plastikschüssel unter meinen sich waschenden Händen wieder auf.
Dies ist ein schwieriges Unterfangen für ihn, da ich als Beginner noch nicht begreife, dass ich irgendwann Stopp sagen muss, denn umso länger er schüttet umso schwerer wird die Plastikschüssel in seiner linken Hand.
Er wirkt sehr erleichtert, als ich endlich "thank you very much" sage und er sich aufrichten kann um mir das Essen zu bringen.
Das "almost like a chicken", scheint ein zu klein geratenes Hühnchen zu sein, vielleicht ein Küken im Teenageralter, wer will das schon so genau wissen, aber jedenfalls schmeckt es nach Hühnchen, kross gebraten ist es, das erste Essen nach langer Zeit welches mir gut schmeckt.

Anny kommt, wir sitzen in meinem Zimmer und reden, sie wäre gerne mein "girlfriend", unser Gespräch wird ernster, ich weise auf den Altersunterschied hin, und, dass ich nach Kenia gekommen sei um herumzureisen und wirklich keine Beziehung wünsche. Möge sie noch so hübsch, intelligent und charmant sein.

Irgendwann steht sie auf, geht ins Bad und während ich mit dem Notebook auf dem Bett liegend im Internet die Nachrichten auf "Spiegel online" verfolge, höre ich die Dusche.

Sie kommt zurück ins Zimmer, der Ausdruck "nackt und schön, wie Gott sie schuf", ist definitiv die passendste Bezeichnung, schiebt das Moskitonetz zur Seite, kuschelt sich an mich und während mein Körper einen Schweissausbruch nach dem anderen produziert, verbringen wir noch eine Weile damit uns im Internet Bilder aus unseren Heimatstädten zu zeigen, welche wir über Google finden.

Ab und zu bekomme ich einen zärtlichen Kuss, ich bedanke mich mit einem sanften Streicheln, erhasche mit kurzen Blicken wunderschöne Brüste und einen kleinen, festen, runden Hintern.

"Der kleine Mazungo weiter unten", aus einem "8 Monate und 8 Tage Winterschlaf" (yep, Mazungo nachgezählt), endlich erwachend, sich neugierig hervor reckt um die Lage zu peilen, dann freudig feststellt, dass er sich nicht mehr in Indien oder in Luxemburg aufhält, sondern wohl in Afrika, schätzt die Situation in in der er sich befindet zuerst als erotisch, dann als sexuell erregend ein und meldet schliesslich durch entschiedenes Strammstehen, dass er bereit sei jeglichen Befehl von mir, bis hin zur seiner endgültigen Erschöpfung freudig auszuführen zu wollen.

Als ich es schliesslich nicht mehr aushalte, aus dem Bett springe um meine verschwitzten Kleider abzuwerfen, noch schnell dusche, durch einziehen meines Bauches versuche meinen "von Gott geschaffenen, nicht mehr ganz so schönen Körper" wenigstens ein bisschen dünner wirken zu lassen, muss ich dann, wieder zurück im Bett, feststellen, dass ich meine äusserst mühsam erworbene Kondompackung vergessen habe, was einen erneuten Ausflug ins Bad bedingt und ich dieses Mal sogar eine bessere Figur abgegeben hätte, wenn ich mich nicht mit einem verwegenen Sprung aufs Bett in diesem blöden Moskitonetz verfangen hätte.

Anders als bei der Thaifrau, die den Farang zu relaxen und zu verwöhnen weiss, ohne dass viel Mitarbeit von ihm verlangt wäre, scheint es bei den Afrikanerinnen anders zu sein.
Anny wusste jedenfalls was sie wollte, oder auch nicht wollte, und konnte mir dies, entgegen ihrer Art, fast wortlos mitteilen.
Ein passives auf dem Rücken liegen und sich verwöhnen lassen ist Mazungo jedenfalls nicht gestattet, Präsenz und Aktivismus sind erwünscht und werden eingefordert, und Mazungo, der die Aircon vermisst, ist nah dran am Herzkasper, geniesst intensiv die so lang vermisste Lust, einen schnellen Herztod billigend in Kauf nehmend.

Irgendwann, als es stillgeworden und der Abend dämmert; ein weisser und ein schwarzer Körper noch zitternd und bebend einer kühlen Brise lauschend, die die über tausend Jahre alten Lobpreisungen eines weit entfernten Muezzin herüberträgt, und wie Mazungo findet, zum schönsten und zum poetischsten gehört welches die Menschheit sich je erdacht, den Allmächtigen zu rühmen.
Gott ist gross, Gott ist gross.

Anny nimmt das dritte und letzte Kondom aus der Schachtel und sagt ganz lieb:
"Don´t you worry, now you´ll be allowed to relax".
Sie ist eindeutig der Chef. 


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